Wie Yoga das Gehirn verändert

Yoga ist gesund. Yoga trainiert die Muskulatur. Yoga macht flexibler in Geist und Körper. Yoga vermindert Stress. Aber was genau passiert bei regelmäßiger Yogapraxis in unserem Gehirn?

Richten wir unsere Aufmerksamkeit zuerst einmal auf unsere Neurotransmitter. Bekannte Neurotransmitter sind zum Beispiel Dopamin, auch als Glückshormon bezeichnet oder Melatonin, dass uns des Nachts in den Schlaf gleiten lässt. Doch es gibt noch viele weitere sehr wichtige Neurotransmitter.

Denn über diese sogenannten Botenstoffe folgt die Informationsweitergabe zwischen unseren Nerven. Je nachdem welcher Transmitter an welcher Zelle andockt, werden unterschiedliche Prozesse ausgelöst.

Yoga zu praktizieren hat einen direkten Einfluss auf den Neurotransmitter GABA (Gamma-Amino-Buttersäure).

Die Aufgabe des Neurotransmitters GABA ist es die Informationsübertragung zwischen unseren Nervenzellen zu verlangsamen. Wenn GABA an eine Nervenzelle andockt wird diese gehemmt.

Der Gegenspieler von GABA ist der Neurotransmitter Glutamat. Durch diesen werden die Nervenzellen stimuliert schneller Informationen aufzunehmen und weiter zu leiten.

Ist nun GABA im Gehirn vermindert vorhanden wird der Erregung der Zellen nicht mehr ausreichend entgegen gesteuert. Dies kann zu Bluthochdruck, PMS (prämenstruelles Syndrom), chronischen Schmerzzuständen, Depressionen, Angststörungen und anderem führen.

In einer wissenschaftlichen Studie der Boston University wurde gezeigt, dass die Yoga Praxis den GABA Level im Gehirn um 27 % erhöhen kann.

19 Probanden wurden dafür in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Hälfte durfte an einer Yoga Einheit teilnehmen, die andere an einer Lesestunde. Direkt im Anschluss wurden die GABA Werte mittels Magnetresonanzspektroskopie gemessen.  Nur bei der Yoga Gruppe war der GABA Level angestiegen.

Ein steigender GABA Anteil bringt uns viele Vorteile, denn der Neurotransmitter wirkt schmerzlindernd, entspannend, blutdruckstabilisierend, entkrampfend und stärkt das Immunsystem.

Yoga und Mentale Kontrolle

Doch nicht nur Neurotransmitter werden durch Yoga beeinflusst. Herr Professor He der University of Minnesota machte bei seinen Forschungen die Entdeckung, dass Probanden die Yoga betreiben das Kontrollieren eines Computers, durch mentale Vorstellung, einfacher lernen.

Aufgrund dessen führte er eine Studie mit 36 Teilnehmern und Teilnehmerinnen durch. Die eine Hälfte praktizierte seit mindestens einem Jahr und nicht weniger als zwei mal die Woche Yoga, die andere Hälfte war ungeübt oder hatten sich nicht mit Yoga auseinandergesetzt.

Vier Wochen lang wurden die Probanden trainiert einen Computer lediglich mit ihrer Vorstellung zu kontrollieren. Ihre Gehirnströme wurden dabei durch eine Art Mütze mit Elektroden gemessen.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Probanden, die regelmäßig Yoga und Meditation praktiziert hatten, die mentale Steuerung drei mal schneller erlernten als die Kontrollgruppe.

Solche Forschungen zielen darauf ab, Menschen mit Nervenerkrankungen oder Lähmungen in ferner Zukunft neue Aussichten bieten zu können. Herr Professor He will nun eine Langzeitstudie zu dem Thema durchführen. Er sieht in Yoga die Möglichkeit neuer Perspektiven.

Yoga als Prävention?

Und auch als Prävention und mögliche Behandlungstaktik bei Depressionen und anderen kognitiven Problematiken ist Yoga in die Diskussion geraten.

Im Gehirn von langjährig praktizierenden Yogis zeigte sich, bei einer weiteren Studie, ein größerer Anteil an grauer Substanz.

Die graue Masse befindet sich in Form von Kernen oder Säulen im inneren unseres Gehirns und im Rückenmark. In einer oberflächlichen Schicht überzieht sie die Windungen des Kleinhirns. Sie besteht aus den Körpern vieler kleiner Nervenzellen und ist somit ein wichtiger Bestandteil unseres Nervensystems.

Eine Verminderung der grauen Masse führt zu emotionaler Instabilität (Depression, Stimmungsschwankungen), verminderter kognitiver Gehirnfunktion (verminderte Konzentration, verminderte Merk- und Denkfähigkeit)

Der Zuwachs der grauen Substanz bei den Yogis und Yoginis scheint in direktem Zusammenhang mit der Dauer der Yogapraxis zu stehen. Langzeityogis profitieren hier also am meisten.

Doch ob langjähriger Yogi / Yogini oder immer mal wieder Yogi / Yogini, die Studien zeigen, dass Yoga sowohl kurzfristig als auch langjährig positive Veränderungen im Gehirn bewirken kann.

Dann gibt’s ja nur noch eines zu sagen: Ab auf die Matte!

 

Quellen:

Cassady et al. The impact of mind-body awareness training on the early learning of a brain-computer interface. TECHNOLOGY, 2014; 02 (03): 254

American Pain Society. Yoga and chronic pain have opposite effects on brain gray matter.  http://americanpainsociety.org/about-us/press-room/yoga-bushnell

Streeter et al. Yoga Asana sessions increase brain GABA levels: A pilot study. The Journal of Alternative and Complementary Medicine, 2007, 13 (4), pp. 419-426

Benninghoff und Dreckhahn (2008). Taschenbuch Anatomie. Urban & Fischer Verlag München.

Michael Schünke. Prometheus. Lernatlas der Anatomie. Georg Thieme Verlag Stuttgard.

dr-bieger.de/gamma-amino-buttersaeure-gaba-neurotransmitter-mit-angst-loesender-wirkung (aberufen am 09.08.2016, 20:36)

 

 

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